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Granny Square-Decken machen euch zum Designer

Posted in Wohnen

Von den wilden Siebzigern ist nicht viel übrig geblieben. Hippie ist heute ein Synonym für Kiffer und Tagträumer. Offen über Politik zu sprechen oder sogar dagegen zu demonstrieren, ist auch nicht mehr so angesagt. Aber eine Modeerscheinung von damals, vorrangig in den USA, ist uns geblieben – die Granny Square-Decke. Ich habe bisher drei Decken gehäkelt, davon zwei verschenkt. Wollt ihr es auch mal probieren? Dann lest weiter.

Granny Squares, was frei übersetzt so viel wie Oma-Quadrate bedeutet, sind bunte aneinandergehäkelte Quadrate, aus denen ihr Decken, Taschen, Jacken oder sogar Bikinis häkeln könnt. Die Granny Square-Decken sind ein beliebter Einrichtungsgegenstand in jedem zweiten, amerikanischen Film. Das kann ich auch nachvollziehen, denn irgendwie verleihen diese Decken jedem Wohnzimmer eine ungezwungene Gemütlichkeit.

Auch Katzen lieben Granny Square-Decken
Auch Katzen lieben Granny Square-Decken

Nadel, Faden und ein Schuss Kreativität

Meine erste Granny Square-Decke entdeckte ich 2012 auf meiner Reise durch Kanada. Zurück in Deutschland kaufte ich mir eine Häkelnadel und Wolle. Ihr könnt jede Art von Wolle verwenden, je dicker desto kuschliger wird die Decke. Die Wollart bestimmt dann auch, welche Stärke eure Häkelnadel haben sollte.

Ich habe für meine erste Granny Square-Decke das einfachste Quadrat gewählt. Es gibt aber auch jede Menge anderer Muster. Eine Anleitung zum Häkeln findet ihr schnell im Netz, z.B. hier. Ein kleiner simpler Tipp: Je weniger Löcher das gewählte Muster hat, desto wärmer hält die Decke. Klingt total einleuchtend, aber daran habe ich bei meiner Auswahl nicht gedacht. Ich bin mit meiner leicht luftigen Version zufrieden. Aber im dicksten Winter wünschte ich manchmal, ich hätte ein weniger löchriges Design gewählt oder dickere Wolle verwendet.

Granny Square-Decke Nr. 2 im neuen Zuhause
Granny Square-Decke Nr. 2 im neuen Zuhause

Aller Anfang ist schwer

Als Anfängerin quälte ich mich erstmal durch das Häkeleinmaleins von „Luftmaschen“ zu „Halben Stäbchen“. Aber relativ schnell hatte ich den Dreh raus. Dann ging es daran, harmonische Farbkombinationen für jedes Quadrat auszuwählen. In die Welt der Farbharmonien einzutauchen, ist ein Kapitel für sich. Deswegen dazu an anderer Stelle mehr. Aber ich möchte euch hier ans Herz legen, bei der Farbwahl sorgfältig zu sein. Schliesslich macht die Farbe die ganze Erscheinung der Decke aus. Man kann es jedoch auch mit der Farbauswahl übertreiben. Ich für meinen Teil wollte bei meiner ersten Granny Square-Decke zum Beispiel unbedingt vermeiden, dass sich die Quadrate farblich wiederholen. Das war bei insgesamt 165 einzelnen Quadraten ganz schön anstrengend. Fragt mich nicht, wieso ich diesen Anspruch hatte. Man lernt eben auch bei dieser Art von Arbeit, Ansprüche an sich selbst zu hinterfragen. Scheinbar kam da bei mir eine Art Superindividualismus durch. Und ja, ihr habt richtig gelesen, für eine Decke mit den Maßen 140 x 180 cm braucht ihr 165 Quadrate.

Gut Ding braucht Weile

Ich will euch nicht entmutigen, aber so eine Decke dauert ein Stück. Bei mir waren es Monate, da ich nur etwa 4 Quadrate am Abend gehäkelt habe. Und das auch nicht jeden Abend. Nach Adam Riese macht das bei 165 Quadraten à 4 Quadrate pro Abend 41 Tage. Plus das Zusammennähen und Vernähen der Wollenden waren es locker 50 Tage. Aber es macht ungeheuer Spaß, das Projekt wachsen zu sehen und je mehr ihr macht, desto mehr Übung habt ihr. Am Schluss habe ich dann noch die einzelnen Fadenenden der Quadrate mit einer Vernähnadel im Rest der Wolle „versteckt“ und zum finalen Zusammensetzen der Decke alle Quadrate miteinander verbunden. Auch das dauert eine gewisse Zeit. Aber das Endergebnis wird euch mit Stolz erfüllen und ihr werdet ein Leben lang an die Zeit zurückdenken, als ihr sie gehäkelt habt. Von daher ist es auch eine sehr bewusste Arbeit, die unserem schnellen Leben ein Stück Achtsamkeit und Innehalten zurück gibt.

Ein kleiner Nutzertipp für das fertige Exemplar: Am Anfang hatte ich die Decke als Überwurf über dem kompletten Sofa. Nach einiger Zeit merkte ich aber, dass die Wolle durch das Draufsitzen verfilzt. Daher ist die Decke als kompletter Sofaüberwurf weniger geeignet.

Ich hoffe, ich habe euch mit meinem Beitrag dazu inspiriert, es selbst einmal zu versuchen. Schreibt mir doch eure Erfahrungen. Ich freue mich, von anderen Granny Squariern zu hören!

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